EnEV im Bestand: Titelthema
Brandschutz – Wie gefährlich sind WDV-Systeme?

Ohne Zweifel – die energetische Sanierung von Bestandsgebäuden ist eine äußerst anspruchsvolle und herausfordernde Aufgabe! Dabei liegt die Schwierigkeit besonders darin, die Vorgaben der EnEV mit den Gegebenheiten der vorhandenen Gebäude zu vereinbaren und dabei gleichzeitig die Kosten im Blick zu behalten, um allen Anforderungen gerecht zu werden.

Im Zuge der Energiewende sollen immer mehr Gebäude mit immer dickeren Dämmungen versehen werden. Aus Kostengründen, aus mangelndem Wissen über Alternativen und wegen der vermeintlich einfacheren Verarbeitung sind dabei WDVS-Fassaden oft die erste Wahl.

Allein 2011 wurden 42,5 Mio. Quadratmeter WDVS verbaut. Die Dämmdicken wuchsen in den letzten zehn Jahren im Durchschnitt von ca. 90 mm auf ca. 121 mm. Entsprechend groß ist die Angst der Dämmstoffhersteller, dass die „einseitige Berichterstattung über WDVSysteme in den Medien … zur Verunsicherung der Kunden“ führt.

Reinhard Eberl-Pacan erläutert in dem Beitrag Wie brandgefährlich sind WDV-Systeme? und zieht als Fazit:

Die Anzahl der Brände, an denen WDVS beteiligt war, ist im Verhältnis zur verbauten Menge gering. Die gravierenden Folgen gehen meist auf Sonderfaktoren (Fehlplanungen, hohe Brandlasten, Baustelle) oder Schlamperei am Bau zurück. Die ausführenden Baufirmen sind z. T. nicht qualifiziert oder beschäftigen schlecht ausgebildete Mitarbeiter. Vorgeschriebene Brandschutzmaßnahmen wie Sturzschutz oder Brandriegel werden fehlerhaft oder gar nicht ausgeführt. Durch ein andauerndes Gerangel von Lobbyinteressen, Baurechtsinstituten, Baubehörden und den Wirrwarr von nationalen und europäischen Anforderungen wird die gesetzeskonforme Verwendung von WDVS zusätzlich verkompliziert.

Aus dieser Momentaufnahme leiten sich dringend erforderliche Maßnahmen ab, die die Sicherheit von WDVS verbessern können. So müssen umgehend die Ungereimtheiten zwischen nationalen und europäisch-harmonisierten Regelungen geklärt werden. Dann wird auch eine neue unabhängige Überprüfung der Systeme und ggf. eine Anpassung an die Situation auf den Baustellen erforderlich.

Brandschutz – Wie gefährlich sind WDV-Systeme?

Sicheres WDVS muss nach dem Einbau den baurechtlichen Anforderungen und den Vorgaben der Hersteller entsprechen. Eine ordnungsgemäße Planung, Ausführung, Überwachung und Dokumentation stellt dies sicher. Fehler bei der Bauausführung bergen Gefahren: durch Sensibilisierung und Information der Beteiligten können sie vermieden werden. Gefordert sind dazu sensibilisierte Architekten, Bauleiter und Bauaufsichtsbehörden ebenso wie fachkundige Baufirmen mit gut ausgebildeten Mitarbeitern.

Hier erfahren Sie mehr über die Grundlagen des Brandschutzes.

Zerstörtes WDVS_Nach dem Fassadenbrand auf Frankfurter Baustelle Foto_Karl-Olaf Kaiser
Zerstörtes WDVS: Nach dem Fassadenbrand auf Frankfurter Baustelle Foto: Karl-Olaf Kaiser
EnEV im Bestand 03/13

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Fragen und Antworten rund um das WDV-System

Ein Wärmeverbundsystem, auch WDVS genannt, ist ein System zur Außendämmung von Gebäuden. Es soll Wärmeverlusten vorbeugen und das Haus isolieren. Es werden verschiedene Schichten auf die Außenmauer angebracht wie ein Wärmeschutz, ein Witterungs- und Feuchteschutz, Schallschutz und was für uns relevant ist, der Brandschutz.
Ein „Brandriegel“ soll eine geschossübergreifende Brandweiterleitung verhindern. Horizontal in jedem zweiten Geschoss wird der WDVS angebracht. Wir empfehlen, bei den verschiedenen Kombinationsmöglichkeiten von Material und Gebäudeanpassung einen Fachmann hinzuzuziehen.

Der an Gebäuden verbaute Dämmstoff wird in einem fertiggestellten WDVS für mindestens 30 Minuten vor Feuer geschützt. Das geschieht durch ein Armierungsgewebe aus Glasfasern und überwiegend (≥ 90 %) nicht brennbare Putze, die auch ein Lauffeuer an der Oberfläche verhindern sollen.