Compartment-Schule ohne notwendige Flure für neue pädagogische Konzepte

Zwei Schultypen für etwa 1.600 Schüler

In weniger als drei Jahren Bauzeit sind mit einer Nutzfläche von ca. 21.000 m² eine integrierte Sekundarschule und ein Gymnasium in der Allee der Kosmonauten im Bezirk Lichtenberg entstanden. Damit hat die HOWOGE als Bauherr die aktuell größte Schule Berlins errichten lassen. Der Sieger des Architekten-Wettbewerbs war das renommierte Wiener Büro PPAG architects, Baupartner waren die erfahrenen Bauunternehmen ZÜBLIN und OTTO WULFF. Das Brandschutzkonzept für den weitläufigen Bau stammt von uns, der brandschutz plus GmbH.

Im April 2024 wurde die Doppelschule an den Bezirk Lichtenberg übergeben. Die HOWOGE wird im Rahmen der Berliner Schulbau-Initiative weitere 25 Schulen bauen.

AdK_Compartment-Schule ohne notwendige Flure für neue pädagogische Konzepte
Die Größe der Schulfläche entspricht einem 20-stöckigen Hochhaus mit 400 Wohnungen.

Herausforderung für den Brandschutz

Die Schule kommt – außer im Untergeschoss – ohne notwendige Flure aus. Das ist für den Schulbau noch eine Neuheit. Der Grund für das Vermeiden notwendiger Flure kommt neuen pädagogischen Konzepten entgegen, die möglichst viele Flächen im Gebäude als Aufenthaltsbereiche nutzbar machen möchte.

Die Schule ist in fünf große Gebäudeteile aufgeteilt worden, die sich um einen zentralen Kern gruppieren. Im Erdgeschoss befinden sich eine Mehrzweckhalle sowie zwei Aulen. Vom 1. bis zum 4. Obergeschoss liegen Sporthallen in der Mitte der beiden Schultypen. Feuerbeständige Trennwände wurden im Wesentlichen nur noch zwischen den fünf Gebäudeteilen gezogen. Es konnte auch auf innere Brandwände verzichtet werden, da die geschaffenen Nutzungseinheiten jeweils < 1.000 m² groß sind und damit wesentlich kleiner als die von der MSchulbauR theoretisch zugelassenen 3.600 m².

AdK Grundriss - Compartment-Schule ohne notwendige Flure für neue pädagogische Konzepte
Grundriss EG - Fünf Gebäudeteile gruppieren sich um einen Mittelkern.

Rettungswege und Besonderheiten

Jedes Gebäudeteil verfügt über zwei notwendige Rettungswege, die jeweils über einen internen notwendigen Treppenraum und über eine außenliegende notwendige Treppe verlaufen. Sie liegen jeweils an den gegenüberliegenden Seiten der Gebäudeteile, so dass sich eine Entfluchtung gut verteilen lässt. Dafür waren jedoch die Breiten der Treppen sehr wichtig, immerhin geht es um bis zu 600 Personen je Gebäudeflügel. Die maximale Personenzahl ist auf 200 Personen je Compartment festgelegt worden. Die Treppenbreite in den notwendigen Treppenräumen ist deshalb auf 1,80 m festgelegt worden, die anderen Treppen haben eine lichte Breite von 1,20 m. Ab dem 1. OG und im EG erweitert sich die Treppenbreite auf 2,40 m, um alle potenziell flüchtenden Personen aufnehmen zu können.

Die Rettungsweglängen innerhalb der Compartments überschreiten an keiner Stelle die vorgeschriebenen 35 m, so dass es auch bei der Möblierung kaum Einschränkungen gab, eine Schneise von 1,20 m muss jedoch in jedem Compartment ständig freigehalten werden.

AdK Grundriss OG - Compartment-Schule ohne notwendige Flure für neue pädagogische Konzepte
Beispiel 3. OG: Die Compartments gruppieren sich um die Sporthallen in der Mitte

Besonderheiten aufgrund der Größe der Schule gab es bei der Löschwasserversorgung. Zusätzlich zu den Unterflurhydranten auf dem öffentlichen Straßenland wurden zwei Löschwasserbehälter für jeweils 200 m³ mit Saugstellen auf dem Schulgelände eingebaut.
Die Außenwände des Gebäudes wurden in feuerhemmender Holzrahmenbauweise, als Pfosten-Riegel-Konstruktion aus Holz und Aluminium mit Verglasung oder als Profilglas-System ausgeführt. In Bereichen, in denen Trennwände im 90°-Winkel auf die Außenwand treffen, ist der Bereich der Außenwand vor der Trennwand aus nichtbrennbaren Baustoffen ausgeführt worden.

Der Brandschutznachweis basiert auf der BauO Bln, auf der MSchulbauR, auf der MVStättVO, auf der VV TB und auf den EHBs (Entscheidungshilfen Berlin).

AdK Innenraum - Compartment-Schule ohne notwendige Flure für neue pädagogische Konzepte
Auch im Innenbereich ist mit sichtbaren Holzflächen gearbeitet worden

Ihr Ansprechpartnerfür dieses Projekt

Ulrike Oertel

Ulrike Oertel

Fachplanerin für vorbeugenden Brandschutz (EIPOS)
Brandschutzbeauftragte (EIPOS)

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