Gemeinsam zu preisgekröntem Holzhaus

Holzbau liegt im Trend. Er kehrt zurück in den urbanen Raum. Anfangs hinter Bekleidungen, Wärmedämmfassaden oder Verputz versteckt, bringt er nun in unverhüllten Oberflächen einen erfrischenden Akzent in die „steinernen“ Städte.

Zudem setzt die Stadt Potsdam vermehrt auf private Baugemeinschaften, um den Bedarf an bezahlbarem Wohnraum zu bedienen. Preisgünstiges Bauen und Wohnen ist so für einzelne Bauparteien möglich. Sie bewohnen den von ihnen geschaffenen Wohnraum und verwirklichen bei der Planung eigene Ideen und Vorstellungen, sei es bei den Grundrissen der eigenen Wohnung, sei es bei der Gestaltung des Wohnumfelds oder der Anlage der gemeinsamen Grünflächen. Die Nachbarn lernen sich nicht erst beim Einzug, schon schon auf der Baustelle kennen. Das kann Konflikten vorbeugen und Synergien im gemeinsamen Handeln ermöglichen.

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Gebäude aus recyelbaren Baustoffen Visualisierung: Scharabi Architekten/Render-Manufaktur

Klima

Die Verwendung recycelbarer Baustoffe hat in Deutschland bislang kaum eine Bedeutung. „Viele Ressourcen werden beim Bauen verschwendet“, bedauert Susanne Scharabi von Scharabi Architekten. Scharabi Architekten hat die Planung erstellt, die Bauleitung übernommen und gemeinsam mit Winfried Härtel die Projektentwicklung ermöglicht.

Susanne Scharabi hält es für sinnvoll, dass zumindest mehr Schulen und öffentliche Gebäude in einer nachhaltigen Bauweise errichtet werden. Hier habe der Staat Einfluss und bereits in Ausschreibungen für neue Bauprojekte könne die Recycelbarkeit als Bedingung angegeben werden. „Damit würde man viel erreichen.“ Ökologisches Bauen würde gesellschaftlich anders wahrgenommen werden.

Beim Bau des Holzhauses am Waldpark wurden rund 480 m³ massives Holz verarbeitet. Diese Menge entspricht einem Kohlenstoffanteil, aus dem Holz zu 50 Prozent besteht, von ca. 125 Tonnen. Daraus resultiert wiederum eine CO₂-Speicherung von über 440 Tonnen. Dem Bauvorhaben wurde deshalb der Potsdamer Klimapreis 2018 verliehen.

Brandschutz

Brandschutztechnisch entspricht der Holzbau der Gebäudeklasse (GK) 3, da die Höhe des Fußbodens des obersten Aufenthaltsraums nicht mehr als 7 m über der Geländeoberfläche liegt. Tragende sowie raumabschließende Bauteile (z.B. Stützen oder Wohnungstrennwände) wurden entsprechend der Brandenburgischen Bauordnung (Bbg BO) feuerhemmend aus Massivholz ausgeführt.

Besondere Brandschutzmaßnahmen für das Gebäude waren trotz der Verwendung von Holz nicht erforderlich. „Es gibt keine zusätzlichen technischen Anforderungen.“ erklärt die Architektin. Alles sei auf 30 Minuten Abbrand gemessen. Dadurch wird bei dem Gebäude gewährleistet, dass im Falle eines Brandes während dieser Zeitspanne die volle Tragfähigkeit erhalten bleibt und es nicht einstürzen kann.

Holzhaus am Waldpark

Holzhaus am Waldpark

Während der mittig platzierte Erschließungskern mit Treppenraum, Treppenläufen und -podesten aus Gründen der Statik und Akustik mit 25 cm dicken Wänden aus Stahlbeton errichtet wurde, konnte der Aufzugsschacht aus 18 cm dicken Massivholzelementen erstellt werden.

Bautafel

Gebäude-Kennzahlen

  • KfW-Energieeffizienzhaus 55 (gem. EnEV 2016)
  • Jährlicher Primärenergiebedarf kWh/(m²a): 29,80 (47,5 % besser als zulässig)
  • Jährlicher Endenergiebedarf kWh/(m²a): 76,7
  • Bruttogeschossfläche (BGF): 1.200 m²
  • Fertigstellung: Oktober 2018
  • Baukosten (KG 300 und 400): 2 Mio. Euro brutto

Beispiel-Video

180105 HolzHaus am Waldpark, Holzbauphase, HR 1080