Die Nachhaltigkeit wird unterstützt, der Brandschutz geht mit und das Arbeitsklima verbessert sich

Da die Nutzung von Holz in Gebäuden der GK 3 aus Brandschutzsicht vergleichsweise unproblematisch ist, bietet sich ein Holztragwerk in einer Industriehalle durchaus an. Wie bei allen Holzbauten ermöglicht der hohe Grad an Vorfertigung anschließend einen schnellen und sauberen Aufbau des Gebäudes. Die Optik innerhalb der Halle und die angenehme Atmosphäre, die durch den Einsatz von Holz entsteht, hat durchaus einen positiven Einfluss auf das Arbeitsklima.

Aus diesem Grund hat sich auch Marcus Weber entschieden, seine neue Produktionshalle mit angeschlossenem Bürotrakt in Holzbauweise zu errichten. Marcus Weber ist Geschäftsführer der Firma ibb Innenausbau Berlin-Brandenburg GmbH, die sich auf Holzzuschnitte für Innenausbauten von Arzpraxen, Büros, Geschäften spezialisiert hat. Daher kommt seine hohe Affinität zu Holz als Baumaterial.

Gute Vorbereitung, schnelle Umsetzung

Der Entwurf entstand in Zusammenarbeit mit der belgischen Firma Ligna Systems, die das gewünschte Gebäude als 3-D-Modell vorbereitet und die Holzteile zuschneidet.

Die tragenden Stützen in der Halle bestehen aus einem Vollholzbindesystem aus massivem Leimholz, tragende und aussteifende Wände sind Brettschichtholzelemente zwischen KVH-Stützen. Im dreigeschossigen Bürogebäude sind Holzständerwände für die nichttragenden Innenwände, aber auch für den notwendigen Treppenraum verbaut worden, welche jeweils entsprechend brandschutztechnisch bekleidet wurden. Die notwendige Treppe aus Massivholz setzt den umfangreich eingesetzten Baustoff Holz wiederrum sichtbar in Szene. Die Decken sind als Holzbalkendecken plus 23 mm OSB-Platten und einer zusätzlichen Beplankung mit Gipskarton ausgeführt.

Baurechtliche Grundlagen

Die Produktionshalle wurde gemäß Brandenburgischer Bauordnung (BbgBO) und Muster-Industriebaurichtlinie (MIndBauRL) betrachtet, Holzbau-Richtlinien kamen nicht zum Tragen, da ihre Vorgaben erst ab Gebäudeklasse 4 zu berücksichtigen sind. Lediglich bei der Brandwand wurde Pkt. 3.3.1 der alten Muster-Richtlinie über brandschutztechnische Anforderungen an hochfeuerhemmende Bauteile (M-HFHHolzR) hinzugezogen, da die hochfeuerhemmende Brandwand als REI-M 60 bzw. EI-M 60 nach DIN EN 13501-2 klassifiziert sein muss. Das Bürogebäude wurde ausschließlich nach Brandenburgischer Bauordnung betrachtet. 

Die Skepsis gegenüber dem Holzbau kann eine Untersuchung zu Hallen in Holzbauweise nach MIndBauRl von 2017 entkräften. Der Untersuchungsbericht* zeigte, dass bereits bei einer »kalten« (ohne Brandbeanspruchung = F 0) Bemessung einer Tragkonstruktion aus Holz grundsätzlich von einer brandschutztechnisch robusten Konstruktion auszugehen ist. Die geringe Abbrandgeschwindigkeit des Holzes ergibt eine im Vergleich zu Stahlbauteilen langsamere Schwächung der Tragfähigkeit durch eine Erwärmung im Brandfall. Die Ergebnisse lassen sich definitiv auf eingeschossige Hallen anwenden.

*Kampmeier, B.; Druse, D.; Zobel, A.: „Untersuchungsbericht zu Hallen in Holzbauweise nach MIndBauRL“; 10.10.2017

Tragende Holzkonstruktion, nicht nur schön, auch nachhaltig

Abgrenzung zwischen Industriehalle und Bürotrakt

Die Brandwand zwischen Halle und Bürogebäude wird in den tragenden Teilen ebenfalls aus Holz realisiert. Hier kamen neben der bauordnungsrechtlichen Anforderung hochfeuerhemmend für GK 3 auch die Anforderungen der Muster-Industriebau-Richtlinie (MIndBauRL) zum Tragen. Gemäß MIndBauRL hätte die Brandwand feuerbeständig und aus nicht brennbaren Baustoffen sein müssen. Stattdessen wurde eine Abweichung beantragt und die Verwendung des brennbaren Baustoffes sowie Verminderung des Feuerwiderstandes u.a. mittels einer Brandwarnanlage für eine frühzeitige Alarmierung kompensiert. Zudem wird dem Schutzziel, eine Brandausbreitung ausreichend lang zu verhindern, mittels einer 5m langen öffnungslosen Fassade zum über eckliegenden Bürogebäude Genüge getan. Auf der Rückseite schließen Halle und Bürogebäude bündig ab, hier wurde die Außenwand der Halle über eine Breite von einem Meter mit nicht brennbaren Baustoffen gebaut und die Sandwichpaneele sind mit 1000°C Mineralwolle-Dämmung ausgestattet.

Lichtband mit RWA-Öffnungen im Dach, ist im Lieferumfang von Ligna Systems

Fazit

Eine Industriehalle muss nicht „technisch“ aussehen, eine Sport- und Freizeithalle schon gar nicht. Allein deshalb sind die tragenden Holzkonstruktionen als optischer Blickfang eine Bereicherung. Hinzu kommen die bautechnischen Vorteile: ein hoher Grad an Vorfertigung und der schnelle Aufbau auf der Baustelle. Weiterhin machen Nachhaltigkeit und momentan sogar im Vergleich zu konventionellen Bauweisen keine höheren Kosten das Bauen mit Holz noch attraktiver.